aus der lokalen Berichterstattung ...

„Zeugen können sich irren. Spuren lügen nicht“

Der Bochumer Kripo-Hauptkommissar und VfB-Trainer berichtet im Fabry-Museum von der Arbeit der Spurensicherung.

aus Rheinische Post vom 22.01.2013, Patrick Jansen führte das Gespräch

Die Ausstellung „Vom Tatort ins Labor - Rechtsmediziner decken auf" ist bis Sonntag, 3. Februar, im Wilhelm-Fabry-Museum zu sehen. Im letzten Vortrag berichtet am Donnerstag, ab 19.30 Uhr, Kriminalhauptkommissar Michael Kulm von der Spurensicherung im „wirklichen Leben" und von Mordfällen aus Sicht des Kriminaltechnikers.

Michael Kulm ist in Hilden als VfB-Trainer bekannt. RP-Archivfoto: Anja TinterMichael Kulm ist in Hilden als VfB-Trainer bekannt. RP-Archivfoto: Anja TinterHerr Kulm, welcher ist denn der größte Unterschied zwischen der Spurensicherung im wirklichen Leben und im Fernsehen?

Kulm Die Spurensicherung im Fernsehen hat recht wenig mit unserer Arbeit zu tun. Dort werden so viele Informationen in kürzester Zeit gesammelt. Aber das muss man dort eben innerhalb von 45 bis 90 Minuten darstellen. Aber ich muss sagen, dass die Medien sich wirklich bemühen, die Spurensuche möglichst originalgetreu zu zeigen. In der Wirklichkeit benötigen viele Prozesse deutlich mehr Zeit und sind daher auch nicht vergleichbar.

Was macht die Arbeit der Spurensicherung so wichtig?

Kulm Die Spurensicherung kann gemeinsam mit der Rechtsmedizin das Wichtigste in einem Fall sein. Denn es kommt immer häufiger vor, dass man Straftätern ihre Taten bis ins Detail nachweisen muss. Es ist schließlich sein gutes Recht, eine Tat nicht zuzugeben oder Aussagen zu widerrufen. Auch Zeugen können sich irren. Aber Spuren, die wir am Tatort finden, lügen nicht. Sie sind eindeutige Beweise und versetzen den Richter in die Lage, eindeutig nachzuvollziehen, was geschehen ist. Danach sind nur noch selten Geständnisse oder weitere Ermittlungen nötig.

Wie groß ist der Anteil der Spurensicherung an der Aufklärung von ungeklärten Todesfällen?

Kulm Das kann ich nicht genau sagen, aber das ist ganz unterschiedlich. Das kann von 0 bis 100 Prozent gehen. Wir sichern zudem Spuren bei Wohnungs- oder Geschäftseinbrüchen, bei tödlichen Verkehrsunfällen, Raub oder Vergewaltigungen. Der Mordfall ist auch bei uns in Bochum zum Glück die Ausnahme.

Sie sind Sachverständiger für Daktyloskopie. Was steckt dahinter?

Kulm Daktyloskopie bedeutet übersetzt aus dem Griechischen "Fingerschau". Ich bin als Sachverständiger also beschäftigt mit der Aufnahme und Auswertung von Hautleistenbildern - also Finger- und Handflächenabdrücken - die es uns zum Beispiel ermöglichen, eine Person zu identifizieren. Vor Gericht werden diese Gutachten erläutert. Dafür erhielt ich eine spezielle Ausbildung beim Bundeskriminalamt.

Worin liegt für Sie der Reiz darin?

Kulm Was mich fasziniert, ist, dass ich mit der Spurensicherung und der Auswertung einen großen Teil zur Aufklärung von Straftaten beitragen kann. Dadurch kann man Opfern und Angehörigen zu Gerechtigkeit verhelfen. Ich habe großes Interesse an der akribischen Arbeit, die sehr viel Geduld erfordert und es macht mir Spaß mich in den Tatort hinein zu versetzen und gedanklich den Weg des Täters zu verfolgen.

Wie wollen Sie das dem Publikum im Fabry-Museum vermitteln?

Kulm Ich erzähle die Geschichte eines Mordfalls, die sich wie ein roter Faden durch den Abend zieht. Dies lässt zu, dass ich thematisch Tätigkeitsbereiche wie Faserspurenauswertung, DNA-Analyse, deren Datenbank und das automatisierte Fingerabdruckidentifizierungssystem AFIS erkläre. Diesen Vortrag begleite ich mit Bildern, die nichts beschönigen. Dabei erzähle ich auch, wie in einem kriminaltechnischen Labor gearbeitet wird und wie Spuren im Detail gesichert werden. Die Leute sollen sich unsere Arbeit nach dem Vortrag ein bisschen besser vorstellen können.


Zur Person:
Michael Kulm ist seit gut drei Jahren Trainer

  • Arbeitet seit über 30 Jahren bei der Polizei und seit mehr als 20 Jahren bei der Kripo in Bochum.
  • Amt Stellvertretender Dienststellenleiter im Kriminalkommissariat 43 in Bochum.
  • Lebt seit elf Jahren mit seiner Frau und seinen Kindern in Langenfeld. Viele kennen den 47-Jährigen von seiner Tätigkeit als Trainer von Rot-Weiß Essen sowie des Fußball-Landesligisten VfB Hilden, den er seit dreieinhalb Jahren betreut.