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Museum: Spöttelei rund um Gevatter Tod

Von morgen an startet „Der Tod, der Gläubiger, der Regen, die kommen immer ungelegen" von Hans-Joachim Uthke.

aus Rheinische Post vom 20.02.2013 von Astrid Schoene

Er ist ein gleichermaßen bedrohlicher wie inspirierender Begleiter der Menschen - der Tod. So sieht ihn auch der Hildener Künstler Hans-Joachim Uthke in Zeichnungen und Radierungen seiner neuen Ausstellung. Die wird morgen im Wilhelm-Fabry-Museum eröffnet.

„Fünf Jahre habe ich an dieser Ausstellung gearbeitet“: Hans-Joachim Uthke im Fabry-Museum. rp-foto: anja tinter„Fünf Jahre habe ich an dieser Ausstellung gearbeitet“: Hans-Joachim Uthke im Fabry-Museum. rp-foto: anja tinterDamit setzt das Museum seine intensive Beschäftigung mit dem Thema Tod fort: „Frauen - Sünde - Tod" hatte es in der ersten Jahreshälfte gezeigt, es folgte die viel beachtete Schau „Vom Tatort ins Labor - Rechtsmediziner klären auf". Die Beschäftigung mit dem Leben und dessen Ende gehört sozusagen zum Prinzip: Das Fabry-Museum beschäftigt sich intensiv mit der Medzingeschichte, was mit seinem Namensgeber, dem Chirurgen Fabry, zu tun hat. Nun also Uthke.

Er reiht sich so unerschrocken wie schonungslos ein in die Reihe derer, die in der Kunst den Tod im Visier hatten. Mit virtuosem Strich und scharfer Beobachtungsgabe verbeugt er sich vor einigen, wie dem großen Otto Reutter oder Eugen Roth. Und dass das Humorige in Schrift und Bild wie immer Uthkes Feder lenkt, zeigt schon der Titel, für den Eugen Roth Pate stand: „ Der Tod, der Gläubiger, der Regen, die kommen immer ungelegen."

Spöttisches, Bissiges, Possenhaftes, aber auch Düsteres warten als Collagen, Zeichnungen und Radierungen im Fabry-Museum auf die Besucher. Im großen Raum sieht man ein Kaleidoskop eigener und fremder Betrachtungen, die den allgegenwärtigen Tod zeigen. Ein Hauch Philosophie und ein satirischen Charakter verbinden Sprache und Zeichnungen. Manche der gestrichelten Sequenzen erschrecken, wie das Werk mit dem entsetzlichen Spruch „Arbeit macht frei": Ein Schädel in Tusche/Aquarell hinter Streifen. Oder das drastische Fuku-shima-Bild „Der strahlende Tod" in Tusche und Bleistift, das einen Berg Totenschädel aufleuchten lässt. Und dann sind da die Kaltnadelradierungen, wie die zwei Gerippe, die sich herzlich zur „Versöhnung" vereinen, daneben das wahrlich bedrückende „Trauer" Bild: In satt schwarzer Farbe umrandet, wird ein totes Kind von seiner Mutter umarmt, die sich nun nicht mehr zu den Lebenden zählt.

Feine, durchsichtige Linien und Details verdichten sich in den Radierungen zu einer ganz eigenen Dynamik. „Fünf Jahre habe ich an dieser Ausstellung gearbeitet", erzählt Uthke. Mit unterschiedlichen Techniken, wie den Tuschezeichnungen und den Kaltnadelradierungen habe er versucht der jeweiligen Thematik gerecht zu werden. Es ist ihm gelungen. Sein Scharfblick zeigt im Totentanz des Lebens, dass der Mensch den Kampf gegen die Zeit nicht gewinnen kann - bis auf unverbesserliche Optimisten. Uthkes Spottfeder erwischt alle, egal, ob Ärzte, Apotheker oder die Kirche. In „Der Tod und die Kirche geben nichts zurück" klammert sich ein Knochenmann an ein Kreuz.

Richtig schmunzeln kann der Besucher an den Vitrinen. In Skizzen à la Couleur, hingeworfen auf Zetteln, Pappen, Schnipseln, ja selbst auf Apotheker-Quittungen, kreist der Künstler rund um Gevatter Tod. Eine Wand lang wird die Bestatter-Liga aufs Korn genommen - mit Sarg-Modellen, vom verschließbaren Sarg für misstrauische Witwen bis zu dem im Euro-Design für verblichene Banker. Eine Hommage an den großen Künstler Rethel zeigt beeindruckend düster-gespenstige Radierungen. Sechs Arbeiten widmet der Künstler dem Humoristen Otto Reutter. Weil das Literarische Uthke im Blut liegt, vermag er auch mit leisem liebevollen Spott die zynischen Verse Reutters „Bevor du sterbst", (Verschiedene Regeln, vor dem Tode zu befolgen), virtuos ins Bild zu setzen. Aber ganz klar - das Sahnehäubchen dieser Ausstellung ist die Hommage an Uthkes Lieblingsdichter Eugen Roth. Dessen „Mensch"-Verse, dessen lebensbejahender Humor, haben Uthke zu einer Freiheit von Strich und Farbe inspiriert, die den Blättern einen besonderen Reiz verleiht. Beginnt mit dem Vers „Hoffnung": „Ein Mensch am Ende seines Lebens, sieht ein, dass der Erfolg des Strebens nur dürftig war, an dem gemessen, was er versoffen und verfressen. Sein Wert als Raupe war gering: Jetzt hofft er auf den Schmetterling."