"Auge und Hand"

HIC MANUS ET OCULUS

Auge_u_Hand01Hier Auge und Hand! So lautet der Wahlspruch vieler der früheren Chirurgischen Gesellschaften; dementsprechend führen sie als Emblem im Wappenschild eine Hand, in deren Volarfläche ein Auge gemalt ist. Aufmerksame Beobachtung und manuelles Geschick sind damit symbolisiert. In Fabrys Schriften stehen diese Worte zwar nicht, sinngemäß aber brauchte er sie, um die altersbedingte Abnahme seiner Leistungsfähigkeit in der praktischen Chirurgie zu kennzeichnen: Scharfes Auge und ruhige Hand fände man bei ihm nicht mehr, schrieb er 1629 an H. Schobinger. Durch Consilia, die er seinen freunden schriftlich zukommen ließ, suchte er sich in seinen letzten Lebensjahren noch nützlich zu machen. Im deutschen Sprachgebiet gehörte Fabry zu den bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit. An Nachwirkung übertraf er sie alle durch seine wissenschaftlichen Werke. Noch circa 150 Jahre nach seinem Tode erschienen die “Observationes et Curationes Chirurgicae” wieder; systematisch geordnet und in die deutsche Sprache übersetzt waren sie wie früher zum Unterricht der angehenden Wundärzte bestimmt.
Prüft man Fabrys Krankengeschichten auf die Frage, was in seiner Operations- und Behandlungsweise neu war, so kann man nichts Grundsätzliches anführen. Weder für die Amputation des Armes im Schultergelenk noch für die des Oberschenkels könnte Fabry Priorität beanspruchen, auch nicht für die bei Gangrän so wichtige Amputation im Gesunden oder die Verwendung des Magneten zur Entfernung von Eisenteilchen aus dem Auge. Alles das wurde schon von Anderen vor ihm ausgeführt. Trotzdem bleibt Fabrys Bedeutung unverändert, denn er wußte von den meisten dieser Vorläufer nichts und erfand aus eigenem Überlegen die notwendigen Operationsmethoden und -instrumente. Früher wurde schon angedeutet, dass Fabry äußerst geschickt gewesen sein muß. An der Verbesserung vorhandener und der Konstruktion neuer chirurgischer Instrumente und Apparate lag ihm sehr viel; auf diesem Gebiet wurde er von keinem Zeitgenossen übertroffen.