Teil 3

In der Jugend die Pest überlebt

fabry_serie03Das Geburtshaus „In der Schmitten“ von Wilhelm Fabry stand an der heutigen Schwanenstraße etwa am Platz des heutigen Amber-Hotels. Das Bild stammt aus der Zeit um 1935. FOTO: STADTARCHIV HILDENFabrys Vater wusste als Gerichtsschreiber um den Wert von Bildung. Er schickte den Spross auf ein Gymnasium, das der Knabe aber nicht beenden konnte. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm.

von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Donnerstag, den 16. Juli 2009

Wilhelm, der erst später „Fabry“ heißen wird, kommt am 25. Juni 1560 im Gutshof „In der Schmitten“ als Sohn der Margarethe (Gritgen) auf dem Sand, und des Gerichtsschreibers Peter Drees auf die Welt. In bäuerlichen Gegenden wie im Hilden des 16. Jahrhunderts war es Brauch, den Nachnamen entweder nach dem Beruf oder dem Gehöft, in dem man gebo-ren wurde, zu wählen. Deshalb heißt Wilhelms Mutter: Margarethe „auf dem Sand“, nach ihrem Elternhaus, das man sich heute in etwa in die heutige Straße Auf dem Sand denken kann. In erster Ehe heiratet sie Dietrich in den Schmitten, und zieht zu ihm in das Gut glei-chen Namens. Heute steht an dieser Stelle das Amber-Hotel. Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns heiratet Margarethe Peter Drees: den „Sohn des Andreas“, Sohn des Dries Kre-mer.
Fabrys Großvater diente Wilhelm dem Reichen als Gerichtsdiener, war also für damalige Verhältnisse in gehobener Position. Sein Sohn Peter kann lesen und schreiben, was nicht selbstverständlich ist, und genießt als Erwachsener Ansehen im Dorf als Gerichtsschreiber. Nach der Hochzeit mit Margarethe zieht er zu ihr „in die Schmitten“, die ehemalige Schmie-de. Bildung, so muss Fabrys Vater schon erkannt haben, ist wichtig, und er schickt seinen Sohn Wilhelm auf ein katholisches Gymnasium nach Köln. Hier lernt der Knabe, wie es da-mals üblich ist, Latein, die Sprache der Gelehrten. Deshalb wird er später seine Herkunft als „Wilhelm aus der Schmiede in Hilden“ zu seinem Namen „Guilhelmus Fabricius Hildanus“, also Wilhelm Fabry machen. Zunächst aber meint das Schicksal es nicht gut mit dem Schmitten- Spross: Sein Vater stirbt am 6. November 1569. Der berühmte Sohn wird später notieren: „In meinem zehnten Lebensjahr wurde ich von meinem Vater, der ein Gelehrter war, als Waise zurückgelassen.“ Fabrys Mutter, die später in dritter Ehe Peter Crantz heira-ten wird, muss zunächst Wilhelm, seinen siebenjährigen Bruder und eine einjährige Schwe-ster allein versorgen. Ihr Ältester ist gezwungen, auf den umliegenden Feldern für den Le-bensunterhalt zu ackern.
Der Aufstand der Niederländer gegen Philipp II. und die darauf folgenden Bürgerkriege (1568 bis 1609) machen Fabrys Zukunft als studierter „Medicus“ zunichte. Seine Heimat wird zum Tummelplatz von Söldnern. Plünderungen Brandstiftung, Raub und Mord gehören zum All-tag. Der Weg zur Schule ist lebensgefährlich. Wilhelm, dieser aufgeweckte, aber auch häufig kränkelnde Junge, der seine freie Zeit mit Pflanzenkunde und Bibellektüre verbringt, muss deshalb im Alter von 13 Jahren die Schule in Köln verlassen. Mit 15 Jahren erkrankt er an der Pest – und überlebt.


Lebensstationen
Name Wilhelm Fabry, „Guilhelmus Fabricius Hildanus“.
Geboren 25. Juni 1560 in Hilden.
1576 bis 1580 Ausbildung als Bader und Wundarzt in Neuss.
1580 bis 1585 Badergeselle in Düsseldorf bei dem Chirurgen Cosmas Slot am Hof des Herzogs Wilhelm dem Reichen.
1585 Assistent des Chirurgen Jean Griffon in Genf.
1602 bis 1615 Stadtchirurg in Payerne und Lausanne.
Bis zu seinem Tod 1634 Stadtchirurg in Bern.