In der siebten jurierten Themenausstellung im Fabry-Museum präsentieren Künstler aus dem In- und Ausland beeindruckende Kunstwerke, die sich facettenreich mit dem Denken, Erinnern und Vergessen auseinandersetzen.

aus Rheinische Post vom 19.11.2010 von Astrid Schoene

Eine Erkundigungsreise durch den „Kosmos im Kopf" bietet die neue jurierte Themenausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum. Das menschliche Gehirn in all seinen Facetten hat viele Künstler aus dem In- und Ausland schöpferisch angeregt. In unterschiedlicher Wahrnehmung und Sichtweise nähern sich die 51 Kunstwerke dem komplexen Thema „Gehirn". Sie sind schonungslos und abgründig, humorig, lärmend und auch leise. Und sie sind alle versponnen im Denken, Erinnern und im Vergessen.

Effektvoll gestaltete Thomas Behling den markanten Titel-Kopf. Je nach Perspektive verändert sich das irisierende Blau des Gehirns, illustriert vielleicht das Auf und Ab der Denkfähigkeit. Filigran mutet Kirsten C. Grafs „Inside Blackbox" an. Ein Röntgenblick trifft auf zart gläserne Köpfe und Wortfragmente - lässt der Fantasie Spielraum. Daneben zeigt Stefan Kindel seine pastellfarbene digitale Collage „Deep Brain Stimulation": eine Grafik, die variationsreich das Gehirn-Innere veranschaulicht.

web_Klein_Larkins„Sichtwaisen“ von Silke Klein und Jan Larkins: ein Exponat aus der Ausstellung im Fabry-Museum.Zu den Schmunzel-Objekten gehört Silke Kleins und Jan Larkins „Sichtwaisen" Zwei gigantische Keramik-Augäpfel korrespondieren miteinander, umschlungen von lila-rosa Nervensträngen aus Stoff. Launiges bietet auch die Installation „Brain in Process" von Michaela Fröhling. In einem bunt gemusterten Plexiglas-Käfig vibriert ein knallrotes, illuminiertes Gehirn. Manches erschließt sich in der Ausstellung auf den ersten Blick. Andere Werke muss man sich gedanklich erarbeiten. Ein Hingucker ist das in erdigen Farben geschaffene Bild „Energie" von Ursula Bauer. Wie Wunderkerzen durchzucken Blitze Hirnschalen, symbolisieren perfektes Vernetzen von Gehirnströmen. Fühlbare Stille umgibt einige Arbeiten. In Karin Dörres träumerische Sequenzen in „Denken was?" wird das emotionale Erinnern in einem Diptychon zart aquarelliert. Auf dem bewegende Analog-Foto von Anneliet van Beelen umfangen Hände liebevoll den Kopf einer Greisin, die ins Leere starrt.

Inspiriert und fantasievoll gezeichnet, modelliert, konstruiert und fotografiert, lassen die Künstler beim Betrachter Bilder und Gefühle entstehen. Wie bei einem alten aufgeklappten Koffer in einer Ecke. Der entführt mit Sütterlinschrift und vergilbtem Ölschiefer-Druck eines Fotos von Häftlingen zu traumatischen Erinnerungen.

Detailgenau, ungeheuer plastisch hat Jörg Kratz seinen mit Stofftieren und Puppen gefüllten Karton gemalt und „Die Vergessene Kindheit" ans Licht geholt. Das Gedankenverlorene, das Schusselige, das Vergessen und die Demenz schweben wie ein Damokles-Schwert über dieser Ausstellung. Nachzuspüren in vielen Werken, wie in Alfred Bradlers Porträt eines Kopfes: ein leerer, der Erinnerung beraubter Kopf mit Gitter statt Gesicht. Sabine Clemens „Damals" erschreckt in seiner Endgültigkeit, in der hell-körnigen schlichten Leinwand, die nichts mehr durchlässt.