aus Rheinische Post vom 19. April 2013 von Simona Meier

Dietrich Rünger malt Bilder nach Jazz-Kompositionen. 32 neue Werke zeigt er jetzt im Wilhelm-Fabry-Museum. Darunter ist auch eine Interpretation des Standards „Body and Soul".

Künstler Dietrich Rünger während der Vorbereitungen für die Ausstellung „Body an Soul“ im Fabry-Museum. Foto: Olaf Staschik  Künstler Dietrich Rünger während der Vorbereitungen für die Ausstellung „Body an Soul“ im Fabry-Museum. Foto: Olaf Staschik Wer Zeit mitbringt, kann den berühmten Jazz-Klassiker nicht nur in der Einspielung von Billie Holiday aus dem Jahr 1940 mit Roy Eldridge an der Trompete hören. Das ist der Favorit von Künstler Dietrich Rünger (74). Über 20 verschiedene Variationen des Stücks „Body and Soul" wurden eigens für die Ausstellung zusammengestellt. Sie begleiten den Besucher als Hintergrundmusik auf seinem Weg durch die Schau.

Die Liebe des Künstlers zum Jazz ist dabei unverkennbar: Gleich zieht eine echte Wurlitzer den Gast in ihren Bann, bestückt mit Schallplatten steht die Musikbox vor einer Wand mit alten Jazzwerbeplakaten. Sie gehört dem Künstler Dietrich Rünger, der kein Handy besitzt, noch auf der Schreibmaschine tippt und auch ohne Führerschein bestens zurecht kommt. Dafür sammelt er Schallplatten, vor allem die seines Lieblingslabels „Blue Note". Schon als 16-Jähriger faszinierte ihn die Jazzmusik, die Zeit des Rock?n?Roll ging schlicht an ihm vorbei.

„Ich habe sehr viele Lieblingsstücke, und irgendwann habe ich angefangen, das in Bilder zu fassen", sagt er. Jazzkompositionen in Bilder zu verwandeln, diese Idee kam ihm vor vielen Jahren auf einer USA-Reise. In Cape Cod hörte er Kenny Burrells „Midnight Blue", als er mit seinem Wagen parkte und auf den Atlantik blickte.

Selbst spielt er kein Instrument, virtuos geht er dagegen mit Stift, Leinwand und Pinsel um. Dass er Grafiker und in der Werbung tätig war, ist seiner Formensprache anzumerken. Klar, abstrakt und durchdacht sind die Bilder, die er zeigt. Kleiner im Format als in der Ausstellung im Jahr 2006. Da zeigte er bereits seine ersten großformatigen Jazzbilder in Hilden. Das Thema hat ihn nicht mehr losgelassen, andere Lieblingsstücke kamen hinzu. „Ich mache Vorstudien, Skizzen mit Bleistift oder Kugelschreiber, höre die Musikstücke viele Male hintereinander im Atelier in Flingern, bis ich schließlich zum eigentlichen Bild komme."

Improvisieren wie die Jazz-Musiker, das ist der kreative Prozess von Dietrich Rünger. Er kennt die Jazz-Geschichte und viele Geschichten hinter einzelnen Songs und Stücken. Sie fließen ein in die Bildsprache, erklären aber nicht, wie Jazz aussieht. Da kann der Betrachter still genießen und selbst schauen. Kenner können lediglich kleine Geheimbotschaften finden, wie einen abstrakten Hut, Symbol für den Musiker Thelonious Monk.

Der Pianistin Jutta Hipp gilt eines seiner aktuellsten Werke, die immer den Titel der jeweiligen Stücke tragen. Es heißt „Violets for your furs" und entstand extra für die neue Ausstellung. In Anlehnung an Piet Mondrians „Broadway Boogie Woogie" entstand der Zyklus „Berlin Boogie Woogie". Ähnlich dem Vorbild, sind sie auf den Kopf gestellt und in der Farbwahl klar positioniert.

Viele Interpreten seiner Lieblingsstücke sind längst verstorben, andere haben dagegen ein Bild von ihm zu Hause, wie Saxophonist Joe Lovano, der sehen wollte, wie Dietrich Rünger seine Musik im Bild interpretiert. In Hilden gibt es dazu ab Sonntag ausgiebig Gelegenheit, und auch eigene Lieblingsstücke des Jazz könnten für manchen dabei sein.

Man kann in den Bildern suchen oder auf Entdeckungsreise gehen, fündig werden Jazz-Liebhaber und Kunstfreunde auf jeden Fall.

© 2020, Wilhelm-Fabry-Museum Hilden